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Jungzüchter im Rheinland
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Mit seiner Domestizierung begleitet das Pferd den Menschen seit ca. 4 000-5000 Jahren Vom Beutetier zum Reittier und Zugtier. Es half den Bauern in der Landwirtschaft, dem Militär in der
Kriegsführung. Sobald das Rad erfunden war, übernahm das Pferd auch das Ziehen von Kampf-und Ackerwagen sowie von Kutschen bis hin zu den Pferdebahnen aus denen sich unsere heutigen Straßenbahnen
entwickelt haben. Auch die Postkutsche darf nicht unerwähnt bleiben, da sie ein wichtiges Telekommunikations-und Reisemittel der früherenZeit war.
1839 wurde das Staatliche Landgestüt Wickrath offiziell gegründet. Es dauerte jedoch 40 Jahre, bis man endgültig als Zuchtziel das kaltblütige Arbeitspferd festlegte. 1892 wurde das Rheinische
Pferdestammbuch gegründet, mit dem Zuchtziel, ein kaltblütiges Pferd auf belgischer Basis zu züchten, das Rheinische Kaltblutpferd.
Mit Beginn der industriellen Revolution im 19 Jahrhundert gaben die Pferde nach und nach alle Aufgaben ab. In der Landwirtschaft löste der Traktor das Pferdegespann vor dem Pflug und Wagen ab. Das
hatte zur Folge, dass 1957 das Landgestüt Wickrath aufgelöst wurde und der damalige Hengstbestand zum Westfälischen Landgestüt in Warendorf kam.
Der Beginn der Rheinischen Warmblutzucht fing langsam zwischen 1955 und 1965 an. Da es noch keine bodenständige Warmblutzucht gab, holten die Rheinischen Züchter ihre Stutfohlen für die Zucht aus dem
Westfälischen und Hannoverschen Gebiet. Auch die Zuführung von ostpreußischer Blutsführung, dem Trakehner, hat die Rheinische Zuchtmaßgeblich Beeinflusst.
Diesen Aufbau haben wir vielen Züchtern zu verdanken, die aus einer starken Passion heraus den Grundstock für das heutige Rheinische Reitpferd und Reitpony geschaffen haben. Die meisten Züchter waren
Landwirte die von einer Generation zur nächsten Generation mit dem Pferd aufgewachsen sind. Das bedeutet, dass sie ihr Wissen von der Familie mitbekommen haben. Zuchtlinien, Leistungsmerkmale,
Zuchtgeschehen waren ihnen von Kindesbeinen an vertraut.
Heute vertrauen wir noch auf die guten Tipps der älteren Züchter.
Das ist in unserer modernen Pferdezucht nicht immer gegeben. Viele Menschen kommen auf Umwegen an den Reitsport. Sie bekommen ihr Wissen in Reitschulen vermittelt und aus Büchern oder Medien. Das ist
ein Grund mit, warum das Rheinische Pferdestammbuch die Jungzüchter fördert. Wir wollen dem jungen Nachwuchs-Pferdekenner das Wissen weitergeben, welches er braucht, um ein leistungsfähiges,
leistungsbereites und leistungsstarkes Pferd zu züchten, zu erkennen, auszubilden und zu fördern. Dafür muss er nicht das Ziel haben später einmal zu züchten, er sollte an der Basis interessiert
sein.
Wir wollen ein Pferd züchten das im Gleichgewicht gehen kann. Aber wer will das einmal erkennen, wenn er sich nur mit dem Reiten beschäftigt. Ein Pferd an seiner gesamten Körperbeschaffenheit zu
erkennen, ob es z.B. eine gut aufgemachte Muskulatur hat um die geforderte Leistung auch leisten zu können. Warum sind die Linien so bedeutend? Wie war der Mutterstamm , war es ein Zufallsprodukt
oder wurde mit einem erfolgreichen Stamm gezüchtet!
Dieses sind wichtige Merkmale, die ein/e zukünftiger Pferdefachmann/-frau braucht. Die Reiterei hat viele herausragende Trainer und Reiter hervorgebracht, aber ist leider das Wissen in der Haltung
rund ums Pferd durch die immer mehr aufgebende Landwirtschaft etwas in den Hintergrund gerückt. Warum das so ist ? Auch das sind Fragen, die die Jungzüchter interessiert. Der größte Teil der Reiter
kauft sein Pferd beim Händler, beim Züchter oder aus Privathand. Man gibt sein Pferd in einen Pensionsbetrieb der die Versorgung komplettübernimmt.
Der Kreispferdezuchtverein Rhein-Erft e.V. betreut zur Zeit 45 Jungzüchter. Das Interesse der jungen Leute ist sehr groß. Ein Grossteil ist selbst erfolgreich im Turniersport. Egal ob Freizeitreiter
oder Turnierreiter, die Bedürfnisse der Pferde bleiben gleich und wir beobachten mit voller Zufriedenheit, wie groß die Wissbegierig der Jungzüchter ist. Die Jungzüchter sind unsere Zukunft, sie
setzen sich weiterhin für unsere Pferdezucht ein. Wir tragen die Verantwortung, unser Wissen an sie weiterzugeben.
Nur wenn wir, das Rheinische Pferdestammbuch und unser Kreisverband unser Wissen an die nächsten Generationen weitergeben, wird der Pferdesport in den nächsten Jahrzehnten seine
Daseinsberechtigung haben und vielen Menschen den notwendigen Ausgleich zur High Tech Welt bieten. Der Weg ist das Ziel, lasst uns ihn gemeinsam gehen.
Ilona Müller
(Jungzüchterbeauftragte Rhein Erft )
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